Welche Orte zeugen noch von der Teilung Berlins?

Mit der Kamera haben wir uns auf die Spur gemacht: Entlang des Berliner Mauerwegs, der 30 Jahre nach der deutschen Einheit auf etwa 160 km Länge den Verlauf der ehemaligen Grenzanlagen um West-Berlin sicht- und vor allem begehbar macht.

Wir stellen uns die Frage: Wo ist die Teilung der Stadt noch sichtbar und wo ist es eigentlich nur noch eine Erinnerung?

 

 

 

Die späte Dezember-Dämmerung lässt den Südlichen Heidekampgraben an der Grenze zwischen Neukölln und Treptow-Köpenick mysteriös erscheinen. Dass hier zwischen 1961 und 1989 eine Mauer die Berliner Bezirke geteilt haben soll, lässt sich kaum erahnen. Nur der Wegweiser, der uns über den gesamten Tag begleiten soll, verrät etwas über die Geschichte des Parks.

 

 

Am Treptower Park vorbei geht es mit dem Bus Richtung Neukölln. In Alt-Treptow stoßen wir auf eine Doppelpflastersteinreihe. Diese dient im gesamten Innenstadtbereich zur Markierung des Mauerverlaufs. Noch vor gut 30 Jahren unvorstellbar; heute dient die Fläche als Parkplatz und wurde irgendwann in den letzten Jahren bebaut. Der Name des Spätis erinnert weiterhin an die Geschichte.

 

 

Zurück im gelben Bus überqueren wir die Spree und fahren zu einem touristischen Highlight, welches die Hauptstadt seit dem 28. September 1990 zu bieten hat: Die East Side Gallery. Etwas mehr als 1,3 km der Originalmauer sind hier bis heute am Stück erhalten. 118 Künstler*innen aus 21 Ländern beteiligten sich an der Open-Air-Ausstellung.

 

 

Weiter geht es nach Berlin-Mitte – zum Checkpoint Charlie. An der Ecke Friedrichstraße und Zimmerstraße finden wir den ehemaligen Grenzübergang, welcher durch Requisiten einen historischen Ort sichtbar macht und daher eine gutbesuchte Sehenswürdigkeit darstellt. Aufgrund der aktuellen Situation fühlt es sich jedoch an, als würden selbst diese Orte in Vergessenheit geraten, ganz ohne Tourist*innen.

 

 

Die U-Bahn bringt uns an die Grenze zum Wedding. Hier müssen wir etwas länger suchen, um eine Erinnerung an die Teilung Berlins zu finden. Das bewachsene Stück der Berliner Mauer hat sich auch lange Zeit vor der Öffentlichkeit verborgen, sodass es erst im Jahr 2018 wiederentdeckt wurde.

 

 

Der letzte Teil unserer Tour führt uns nur einen kurzen Fußweg weiter, erneut an einen sehr bekannten Ort: Die Gedenkstätte Berliner Mauer. Das Areal hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Teilung und die verbundene Geschichte der Stadt sichtbar zu machen. So befindet sich dort das letzte Stück der Berliner Mauer, das in seiner Tiefenstaffelung erhalten geblieben ist und einen Eindruck vom Aufbau der Grenzanlagen zum Ende der 1980er Jahre vermittelt.

 

 

Unser fotografischer Ausflug entlang der ehemaligen Berliner Mauer hat uns verdeutlicht: Die Erinnerung an die Teilung der Stadt ist allgegenwärtig. Häufig nur mit kleinen Hinweisen versehen und teilweise verborgen. Zugleich zeigt sich, die sichtbaren Orte sind Treffpunkt der ganzen Welt geworden, wenn Tourist*innen die historischen Sehenswürdigkeiten besuchen. Sie sind auch Orte des Alltäglichen geworden, wenn Berliner*innen im Ost-West Späti einkaufen, ihr Auto im öffentlichen Raum parken oder mit dem Hund spazieren gehen.

Kristin Pöllmann

Iuliia Derbenova